Der Michaelsberg

Erzbischof Anno II. mit einem Modell der Abtei.
Erzbischof Anno II. mit einem Modell der Abtei.

Über 950 Jahre bewegte Geschichte

Er ist eine der wenigen Erhebungen in der sonst flachen Kölner Bucht: Mit seiner Lage direkt an der Sieg war der Michaelsberg schon in der Frühzeit eine strategisch wichtige und oft hart umkämpfte Landmarke. Von hier starteten Raubritter ihre Streifzüge durch die Region, bis der Kölner Erzbischof Anno II. dem Treiben ein Ende setzte, die Burg eroberte und auf dem Michaelsberg im Jahre 1064 eine Abtei gründete.

Bis 2011 bestand der von Anno angesiedelte Konvent der Benediktiner auf dem Berg, wobei die wechselvolle Geschichte des Michaelsberges mehrfach Lücken in die Geschichte der Gemeinschaft der Benediktiner gerissen hat:

Wechselnde Nutzung der Abteigebäude

Dr. Maximilian Jacobi, Leiter der Anstalt auf dem Michaelsberg.
Dr. Maximilian Jacobi

Zwei Mal wurde das Kloster aufgehoben, so unter Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts und unter der Naziherrschaft, die Abtei diente als Irrenheilanstalt, Zuchthaus und Lazarett - doch immer wieder kehrten die Benediktiner in "ihre" Abtei zurück, bauten sie nach dem Krieg auch mit der Unterstützung des 1948 gegründeten Vereins der Freunde und Förderer wieder auf und waren eine feste Größe im Siegburger Stadtbild.

Doch es fehlte dem Konvent an jungen Mitgliedern, auch an der Kraft, die für die wirtschaftliche Basis notwendigen Neuerungen umzusetzen, die Gemeinschaft wurde immer kleiner und rückwärts gewandter. 2011 löste sich der Konvent aufgrund spirituellen Erloschenheit, so die eigene Formulierung in der Presseerklärung zum Weggang, auf.

Karmeliten gründen Gemeinschaft

Abt Ildefons Schulte Strathaus
Abt Ildefons Schulte Strathaus

Seit 2013 gibt es aber wieder monastisches Leben auf dem Berg: Sechs indische Patres vom Orden der Unbeschuhten Karmeliten haben, auf Bereiben und durch Vermittlung des damaligen Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner, eine Gemeinschaft im ehemaligen Jugendgästehaus Sankt Maurus gegründet und bemühen sich seither, dem Michaelsberg wieder seine spirituelle Strahlkraft für die Region zurückzugeben.

Die leerstehenden Gebäude der ehemaligen Abtei werden ab 2016 durch das Katholisch-Soziale Institut genutzt, einer Bildungseinrichtung des Erzbistums Köln, das bisher noch in Bad Honnef ansässig ist.