Der erste Wiederaufbau

Die ganze Last des Wiederaufbaus ruhte auf den Schultern von 5 Priester- und 5 Laienmönchen. Doch bevor man eine Struktur des „Ora et Labora“ gefunden hatte, brach der Erste Weltkrieg aus.

Verwundete Soldaten im Lazarett auf dem Michaelsberg.
Verwundete Soldaten im Lazarett auf dem Michaelsberg.

Sofort, mit der Mobilmachung, stellte man das gesamte Gebäude der Militärbehörde zur Einrichtung eines Reserve-Lazaretts zur Verfügung. Am 19. August 1914 kam der erste Verwundetentransport. In einem Vertrag wurde geregelt, dass der Konvent alle Rechte und Pflichten zur Verpflegung der Verwundeten übernehmen würde. Unterstützt wurden die Mönche durch zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen aus der Stadt.

Während die Bereitstellung der Gebäude unentgeltlich war, erhielt der Konvent sowohl für die dort Arbeitenden als auch für die Verwundeten Kostgeld, das so gut bemessen war, dass man vom Überschuss an die Renovierung und Neueinrichtung der Kirche gehen konnt.

In der Zeit vom 19. August 1914 bis 12. Februar 1919 wurden durchschnittlich täglich 250 Verwundete und rund 50 Männer und Frauen des Pflegepersonals verköstigt. Insgesamt wurden an Verpflegungstagen gezählt: „Verwundete und Kranke 352 332, Kriegsgefangene 12 334, Lazarettpersonal 87 023“.

Besatzungstruppen auf dem Michaelsberg

Französische Postkarte aus der Besatzungszeit.
Französische Postkarte aus der Besatzungszeit.

Das Kriegsende brachte keinen Neuaufbruch ins Klosterleben; denn sofort wurden Besatzungstruppen auf dem Berg einquartiert, das Kloster zur Kaserne umgewidmet und trug nun den Namen „Caserne de la Marne“. Über 800 Soldaten hausten in den Mauern, den Zellentrakt aus Zuchthauszeiten mit eingerechnet.

Erst Ende 1925 zogen die letzten Besatzungstruppen ab, nachdem Mitte 1921 bereits ein Drittel der beschlagnahmten Räume dem Konvent zurückgegeben worden war.

Wiederaufbau trotz Besatzung

Blick in die renovierte Abteikirche.
Blick in die renovierte Abteikirche.

Trotz dieser Einschränkungen hatten die Mönche, gerade auch während der Kriegszeit daran gearbeitet, für die Kirche eine neue Ausstattung zu bekommen. So konnten insgesamt vier Barockaltäre von anderen Kirchengemeinden oder Klostergemeinschaften erworben werden. Durch den Krieg verzögerten sich zwar die Restaurierungsarbeiten, aber nach und nach gewann die Abteikirche wieder eine würdige Ausstattung, die im Zweiten Weltkrieg mit ihrer Zerstörung vollständig verloren ging.

Ebenso entstanden die Räume, die für das Gemeinschaftsleben notwendig waren, wie der Speisesaal, die Abtskapelle, das Calefaktorium - ein Gemeinschaftsraum für Besprechungen - und natürlich auch eine neue Bibliothek. Da Baustoffe teuer waren, verarbeitete man das reichlich zur Verfügung stehende Abbruchmaterial aus den zurückliegenden Nutzungen. So entstand zum Beispiel aus „Zuchthausholz“ das neue Chorgestühl im Kapitelsaal.