Die Irrenheilanstalt

Die erste Irrenheilanstalt der Preußischen Rheinlande wurde in den Gebäuden der 1803 aufgelösten Abtei in Siegburg unter der Leitung von Maximilian Jacobi gegründet. Sie galt seit ihrer Gründung 1825 bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein in ihrer Einstellung zu den Kranken, ihrer Diagnostik und Therapie als Modellanstalt. Sie wollte nicht, wie die Irrenanstalten bisher, eine „Verwahranstalt“ sein. Hier sollte geheilt werden, allerdings sollten auch nur „heilbare“ Kranke Aufnahme in der Anstalt finden.

Ansicht mit der  "Irrenheilanstalt" in Siegburg.
Karte mit einer Ansicht der "Irrenheilanstalt" in Siegburg.

Es war die Einstellung zum Kranken, die sich Anfang des 19. Jahrhunderts grundsätzlich geändert hatte. Auffälliges und von der Norm abweichendes Verhalten, „Irresein“ wurde nicht mehr als Folge von Sünde, sondern als Krankheit betrachtet und konnte damit einer medizinischen Behandlung zugänglich gemacht werden. Die theologische Deutung von abweichendem Verhalten wurde durch eine medizinische ersetzt.

Außer dem neuen gedanklichen Ansatz seines Leiters brachten diese klinisch-therapeutischen Neuerungen der Siegburger Einrichtung den in Fachkreisen über Jahrzehnte unbestrittenen Ruf als Musteranstalt ein.

Dr. Maximilian Jacobi als Begründer der modernen Psychatrie

Diese wesentliche Erkenntnis trug Maximilian Jacobi den Ruf als Begründer der modernen Psychiatrie ein. Er setzte sie in seiner Arbeit auf dem Michaelsberg um. Jeder Patient wurde bei der Einlieferung einer umfassenden körperlichen Untersuchung unterzogen, es folgten tägliche Beobachtungen, die sorgfältig in Krankengeschichten festgehalten wurden.

Detailliert zeigt die Karte die umfassende Umgestaltung des Michaelsberges.
Detailliert zeigt die Karte die umfassende Umgestaltung des Michaelsberges.

So wurde er auch zum Begründer einer medizinischen Anamnese und der Führung von Krankenakten. Auch die von der modernen Psychiatrie als eine Errungenschaft der Neuzeit beanspruchte Beschäftigung der Kranken hat in Siegburg von Beginn an Anwendung gefunden. Es wurden Werkstätten wurden eingerichtet, aber auch der gesamte Michaelsberg in einen Obst- und Gemüsegarten verwandelt. So ließ Jacobi gleich im ersten Jahr 1.200 Obstbäume und ebenso viele Zierbäume anpflanzen. Der vorgefundene Weinanbau wurde fortgeführt und Gartenterrassen angelegt.

Die Anstalt prägt das Bild des Michaelsberges

Die Villa von Dr. Jacobi an der Bergstraße
Die Villa von Dr. Jacobi an der Bergstraße

Insgesamt wurde der Michaelsberg mit dem Anlegen der Bergstraße zur Versorgung der Anstalt und dem Wegenetz zum Besuch, aber auch zur Bearbeitung der Gärten, trassiert und in die begehbaren Strukturen gebracht, die wir heute noch vorfinden. Maximilian Jacobi erhielt ein eigenes Wohngebäude unterhalb der Abteigebäude liegend, das bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg das Bild des Michaelsberges mit prägte.