Die Rückkehr der Mönche

Die Wiederbesiedlung der Abtei im Jahre 1914

Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts bemühte sich die Stadt, das Zuchthaus auf dem Berg los zu werden und den gesamten Michaelsberg vom Preußischen Staat zu kaufen. Über mehrere Jahre ziehen sich die Kaufverhandlungen hin bis schließlich, am 9. November 1910, der notarielle Kaufvertrag unterschrieben wurde. Der Stadt war zur Begleichung der Kaufsumme von 450 000 Mark eine Ratenzahlung in Höhe von je 90 000 Mark eingeräumt worden. Als Tag der Auflassung, an dem die Stadt den Berg tatsächlich in Besitz nehmen konnte, war der 1. April 1914 festgeschrieben worden.

Blick in die verwahrloste Kirche.
Blick in die verwahrloste Kirche.

Bereits zum Zeitpunkt der ersten Verhandlungen verfolgte der damalige Stadtbaurat Peter Geimer das Ziel, die ehrwürdige Klosteranlage den Benediktiner wiederzugeben. Gespräche mit der Abtei Maria Laach zerschlugen sich. Nun wandte sich Geimer an einen ihm bekannten Benediktiner aus der Abtei Merkelbeek, Holland.

In den vermutlich seit Ende des Jahres 1909 laufenden Verhandlungen legte die Stadt von Beginn an großen Wert darauf, dass der Berg mit der Zuwegung zum Johannestürmchen und Johannesgarten für die Bürger geöffnet werden würde und sich der neue Konvent mit seiner Nutzung auf die Gebäude und den Klostergarten beschränken müsse. Auch die Kirche sollte den Bürgern offen sein.

Am 31. Oktober 1910 signalisierte die Abtei Merkelbeek eindeutiges Interesse, aus der Mitte des eigenen Konventes eine Neugründung zu starten.

Die Wiederbesiedlung verzögert sich

Am 25. Oktober 1911 fällte die Stadtverordnentenversammlung einstimmig den Beschluss, die Gebäude mit zugehörigen Grundstücken dem Benediktinerorden für 120 000 Mark zu verkaufen. Die kirchliche Genehmigung des Erzbischofs von Köln folgte am 24. November 1911.

Ankunft und Schlüsselübergabe an Abt Hermann Renzel OSB aus Merkelbeek am 2. Juli 1914.
Ankunft und Schlüsselübergabe an Abt Hermann Renzel OSB aus Merkelbeek am 2. Juli 1914.

Doch der preußische Staat tat sich mit seiner Zustimmung schwerer und für die nächsten drei Jahre sah es eher nach einer Ablehnung als nach einem Zustandekommen aus. Erst am 5. März 1914 kam die erlösende Nachricht per Telegramm: „Benediktiner-Niederlassung genehmigt!“

Siegburg feierte! Am 26. März 1914 begann die Räumung der Gebäude von den Zuchthäuslern und am 1. Mai gingen diese an die neuen Besitzer über, die von Verwahrlosung, unbrauchbaren Einbauten, Schmutz und Unrat in allen Ecken und Winkel empfangen wurden – wie man sich ein aufgelassenen Zuchthaus nicht schlimmer vorzustellen vermag.

Als Tag der Besitzergreifung hatte Abt Hermann Renzel von Merkelbeek das Fest Maria Heimsuchung, den 2. Juli 1914, bestimmt. Mit einer feierlichen Messe wurde neues klösterliches Leben auf dem Michaelsberg begründet