Die Elfenbeinarbeiten

Zwei Elfenbeinarbeiten beherbergt auch unser Schatz. So haben sich mit dem Bischofsstab des hl. Anno und einem Konsekrationskamm zwei seltene Elfenbeinarbeiten erhalten, von denen der bischöfliche Krummstab aus dem 11 Jh. als ältestes Exemplar dieser Art angesehen wird. Der Holzstab geht nach einem Elfenbeinknauf in eine Krümme über, die als aufgerissener Schlangenschlund mit darin sitzendem Vogel endet. Ober- und unterhalb des Knaufes sind silbervergoldete gravierte Fassungen angebracht, deren lateinische Inschrift sich auf den Stab als Symbol des Hirtenamtes und die Verpflichtung seines Trägers zum Schutz der Seelen (Vogel) vor dem Bösen (Schlange) beziehen. Die drei Buchstaben "ART" die den Silberschlag zieren, wurden oft als "ANNO REGE TEIPSUM" ("Anno, beherrsche dich") gedeutet.

Nach neueren Veröffentlichungen der Inschriftenforscher ist diese Interpretation von lediglich drei Buchstaben reine Spekulation, während der clevere Schutz des Vogels im Schlangenmaul aus dem lateinischen Text der Inschrift hervorgeht, dessen genauer Text auch auf dem Gemälde der Kölner Seite des Annoschreins aufgeschrieben ist. Dieser Text ist in Form eines Vergil'schen Gedichtes wohl als Wahlspruch des mächtigen Reichsfürsten Anno II. von Köln zu verstehen. Als früherer Scholaster am Bamberger Dom war er auch gut im Lateinischen gebildet.

Während diese Insignie tatsächlich zu Annos Lebzeiten entstand, wurde der sogenannte Anno-Kamm erst um 1183 dem Annoschrein beigelegt. Der fast quadratische Kamm hat eine feine und eine grobe stark abgenutzte Zahnreihe und die Griffmulden sind mit geschnitzten Fabeltieren verziert. Die Art der Darstellung macht eine Entstehung des Kammes um die Mitte des 12 Jh. in Köln wahrscheinlich, was bedeuten würde, dass er nicht von Anno stammt.